Zum sechsten Mal besuchte eine Jugendgruppe aus dem Landkreis Main-Spessart auf Einladung von „Experiment Israel“ das heilige Land. Mit Shalom, Willkommen  und Deutschland Fahnen,  wurde die Gruppe aus Main-Spessart am Flughafen Ben Gurion von den israelischen Jugendlichen herzlich begrüßt.

Demokratische Strukturen fördern  – Verantwortung übernehmen

Kreisjugendpfleger Bernhard Metz, Leiter der deutschen Delegation hatte im Vorfeld mit den israelischen Verantwortlichen ein interessantes und abwechslungsreiches Besuchsprogramm zusammengestellt. Bei den Eltern der israelischen Jugendlichen, die im August 2017 den Landkreis Main-Spessart besucht hatten, waren die Besucher sehr gut untergebracht. Persönliche Kontakte wurden vertieft und neue Unternehmungen wurden für die nahe Zukunft ausgedacht. Die deutschen und israelischen Jugendlichen besuchten viele historische und geschichtsträchtige Orte und lernten Land und Leute kennen.

Wie unterschiedlich die Bevölkerungsgruppen in Israel sind, erlebte die Gruppe in Peki`in ein Dorf mit 6.000 Einwohnern  im Norden Israels. Im Dorf Peki'in auf den malerischen Hügeln im oberen Galiläa, leben die „Drusen“. 133.000 Drusen leben in Israel. Sie sprechen Arabisch, haben eine eigene Fahne und stehen zum Staat Israel. Die Ursprünge ihrer Religion liegen im Ägypten des 11. Jahrhunderts, wo ein schiitischer Muslim eine neue Glaubensgemeinschaft gründete. Mission und Konvertierung Andersgläubiger wird von den Drusen nicht betrieben. Heute ist nur Druse, wer Kind drusischer Eltern ist. Sogenannte „Eingeweihte“ sind Hüter und Bewahrer der Religion und ihrer Geheimnisse, die den Unwissenden nicht bekannt sind.

Drusen und Muslime gehören gemeinsam mit den arabischen Christen zur jener nichtjüdischen Minderheit, die rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmacht und oft unter dem Titel "israelische Araber" zusammengefasst wird.

Unsere Tour ging von den Drusen weiter in den Norden nach Banyas. Im Sechstagekrieg eroberte Israel den zu Syrien gehörenden Golan und damit auch das Gebiet um das heutige Banyas. Der Name "Banyas" geht auf das griechische Paneas zurück. Eine interessante Wanderung führte uns durch das Quellgebiet des Jordan, einem herrlichen Naturreservat mit Wasserfällen und üppiger Vegetation. In der Bibel wird die Stadt Caesarea Philippi im Zusammenhang mit dem Wirken Jesu erwähnt. Nach neutestamentlicher Überlieferung soll Jesus an diesem Ort Petrus als den Felsen bezeichnet haben, auf den er „seine Gemeinde bauen“ wolle, nachdem dieser bekannt hatte, dass Jesus der Messias sei (Matthäus 16,13).

Zusammenhalt stärken

Eine richtige Herausforderung und Mutprobe war der Besuch des „Extrem Park“ in Acre (Akko).  Mit Team und Wettbewerb spielen wurde die Gemeinschaft und das Selbstbewusstsein der Gruppe gestärkt. Alle Jugendlichen absolvierten den Kletterparcours, bei dem eifrig Schlüssel gesammelt wurden, die für den Gewinn der Schatztruhe notwendig waren. Überwindung kostete der Sprung vom 33m Turm, der den Puls und das Adrenalin in den Adern erhöhte.

Mit dem Besuch des „Children`s Memorial“ im Kibbutz „Lohamei Hagetaot“ und einem Bericht des Holocaust- überlebenden „Max“ wurden die Jugendlichen mit der  deutschen Vergangenheit konfrontiert. „Ich bin kein Held, sondern habe nur Glück gehabt“, so begann der 94 Jährige. „Max Livni“, Sohn einer  Mannheimerin und eines Wissenschaftlers aus Prag. Er schilderte sein bürgerliches junges Leben in Prag und die Verschleppung und der Verlust der ganzen Familie im Konzentrationslager Ausschwitz. Gespannt lauschten die Jugendlichen den Erzählungen von „Max“ und waren tief beeindruckt und innerlich berührt von den Erlebnissen des damaligen Jugendlichen. Der rüstige Mann diskutierte mit den Jugendlichen die Ereignisse im Nationalsozialismus und beeindruckte mit seiner Aussage, keinen Groll gegen die jungen Deutschen zu empfinden. Auf die Frage, was er den jungen Leuten auf ihren Lebensweg mitgeben möchte, forderte er die Jugendlichen auf, für die Meinungsfreiheit und Demokratie einzutreten und dort die Stimme zu erheben wo Unrecht geschieht. Mit dem Vortrag möchte er Ihnen nahe bringen, welches Leid, Ungerechtigkeit und Willkür eine inhumane, fehlgeleitete Politik den Menschen bringen kann.

In Jerusalem angekommen, wurde jeder Schritt zum Erlebnis. Der Ölberg mit dem Garten Gethsemane  an dem Jesus mit den Jüngern seine letzte Nacht vor der Kreuzigung in Todesangst verbrachte, die Klagemauer an der die Juden den Verlust des Tempels beklagen, der Gang durch die Via Dolorosa, orientalische Basare und die Stationen des Leidens Christ bis zur Grabeskirche Jesu. Die viele tausend Jahre alte Geschichte Jerusalems konnte damit fast greifbar nahe gemacht werden. Weiter ging es Richtung Süden nach Qaser al Yahud, der Taufstelle Jesu am Jordan. Am Roten Meer, über 400m unter dem Meeresspiegel, konnten die Jugendlichen das mineralhaltige Seewasser und den berühmten schwarzen Heilschlamm genießen. Ein weiterer Höhepunkt war die beeindruckende Felsenfestung Masada am Toten Meer. Hier verschanzten sich die jüdischen Zeloten und kämpften bis zum bitteren Ende gegen das römische Imperium.

Einen Stopp bei den Beduinen, verdeutlichte die Situation eines einfachen Lebens in der Wüste. Die Negev-Wüste war ein wichtiger Bestandteil der Gewürzstraße. Auf dem Rücken eines Kamels erlebten die Jugendlichen hautnah das Transportmittel der Wüstenbewohner, bevor es wieder zurück nach Tel Aviv ging.

Ein schöner Reiseabschluss war das Treffen mit dern Nachfahren der ehemaligen Wiesenfelder Familie Stern. Chaim Stern berichtete über die Zerstörung und Schändung der Synagoge in Wiesenfeld. Die fünf Kinder von Hugo und Mathilde Stern konnten nach Palästina auswandern, darunter Max, der Vater von Chaim Stern. Den Eltern dagegen und der Tante Flora gelang die Ausreise nicht mehr, sie wurden 1942 mit 18 weiteren Wiesenfelder Juden in Belzec ermordet.

Die Reise nach Israel war für alle Teilnehmer eine einmalige, faszinierende Erfahrung. Die Begegnung mit einer anderen Kultur, Traditionen und Lebensweise, die in den Gastfamilien erfahrbar und miterlebt werden konnte, stärkt die Toleranz füreinander. Die Jugendlichen haben schon fest den Gegenbesuch in Deutschland im kommenden Jahr im Blick.  Die Jugendbegegnung wird über das Kinder- und Jugendprogramm der Bundesregierung gefördert.



in Jaffa
In Jaffa


In der Negev Wüste bei den Beduinen


Kamelreiten bei den Beduinen


In der Via Dolorosa Jerusalem


Gruppenbild mit Familie Stern
L.n.r. Kreisjugendpfleger Bernhard Metz, sitzend: Shraga Roznshin, Nathan Wolloch, Präsident Experiment in Israel, Chaim Stern, Tova Stern, Betty, Dubi, Yuval, und Enkelkinder .

Fotos: Bernhard Metz